„Wer die Heimatberge nicht liebt, kann auch fremde Täler nicht lieben.“ (Sprichwort aus dem Kaukasus)
Nach einigen Wandertouren durch die heimischen Wälder und Täler zog es die „Wandergruppe Heimatland“ dieses Mal in nördliche Gefilde.
Ziel war das 4,9-Millionen-Einwohner-Land Norwegen. Dort, zwischen Fjorden und Gletschern, Wäldern und Seen, Dörfern und reinster Wildnis, trafen wir neben den einheimischen Nationalisten auf Kameraden aus Ostsachsen, Schweden, Dänemark und der Ukraine. Die ersten Tage wurden dementsprechend dem Gedankenaustausch und der innereuropäischen Vernetzung gewidmet. Welche politischen, demographischen und sozialen Probleme sind gleichermaßen vorhanden? Wo gibt es potentielle Parallelen, Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Konfliktlinien? Was kann man voneinander lernen, welche Fehler vermeiden? Wie weit sind die jeweiligen Bewegungen im Bewusstseinsprozess um die Notwendigkeit einer zukünftigen europäischen Annäherung und Zusammenarbeit fern von Ressentiments und historischen Zwistigkeiten?
Diese Gespräche wurden von der norwegischen Gastfreundschaft umrahmt, die allen Teilnehmern der Reise auf ewig in Erinnerung bleiben wird und die an dieser Stelle einen besonderen Stellenwert erfahren soll.
Bei der Zubereitung und dem Verzehr selbst gefangener Fische, folkloristischer Musik zweier Kameraden und dem
Knistern des Lagerfeuers wurde die internationale Gemeinschaft bis in die späten Stunden der norwegischen „Nacht“, sofern der Begriff im Juni in diesen Breitengraden zutreffen mag, gestärkt; und bei zahlreichen Ausflügen auf dem Wasser und dem Land die verschiedenen Seiten Norwegens kennengelernt.
Politisch-kultureller Höhepunkt war das von den Gastgebern liebevoll vorbereitete Gedenken zu Ehren der Freiwilligen aus Norwegen, die Europa an der Ostfront gegen den herannahenden Bolschewismus verteidigten. Im Januar 1944 waren noch etwa 4000 Norweger in der Waffen-SS. Bei den Rückzugskämpfen der deutschen Wehrmacht wurden die Soldaten der „Division Nordland“ in den baltischen Ländern und in Teilen Pommerns eingesetzt. Ende Juni 1944 starben die letzten 300 Kameraden bei einer Kesselschlacht in Nordosteuropa. Augenzeugen hörten die bis zu Letzt tapfer kämpfenden Freiwilligen stolz die norwegische Hymne singen, als einer nach dem anderen vom sowjetischen Kugelhagel getroffen wurde und jeder sich längst darüber im Klaren war, dass er seine Liebsten in der Heimat nie wieder sehen wird.
Ein großer Teil der norwegischen Freiwilligen stammte aus den Reihen der Bewegung „Nasjonal Samling“ (Nationale Sammlung), die zu Bestzeiten 57.000 Mitglieder, die meisten von ihnen Bauern oder Studenten, verzeichnen konnte und vom ehemaligen Kriegsminister der rechtskonservativen „Bondepartiet“ (Bauernpartei), Vidkun Quisling, geführt wurde. Quisling wurde 1887 als Sohn eines Landpriesters im Gau Telemark geboren. Die frühzeitige Verwurzelung im Boden der Heimat ging einher mit der wachsenden Überzeugung, dass die Großstadt für das Volk unwiderruflich Verderben bringt, in Form von Dekadenz und Sittenverfall. Quisling wurde Berufsoffizier im Heer, dann Militärattaché in St. Petersburg, wo er die barbarischen Zustände der bolschewistischen Machtkonsolidierung mit eigenem Auge wahrnahm, und für sich die weltanschaulichen Konsequenzen zog. Im Mai 1933 gründete er unter dem Olafskreuz die „Nasjonal Samling“, deren zentrale Topoi Antiparlamentarismus, Antikommunismus, Nationalismus und die Stärkung des Bauerntums waren. In ökonomischer Hinsicht vertrat er den streitbaren Ansatz: „Sowjets (also Räte) ohne Kommunismus!“, während er außenpolitisch die Trennung vom Britischen Empire und die Annäherung an Deutschland und Italien befürwortete. Dies alles stand unter der Prämisse „heim og oett“, das so viel wie „Heimat und Familie“ bedeutet. In der Zeit der deutschen Besatzung wurde Quisling Ministerpräsident Norwegens, eher er für seine Standhaftigkeit im europäischen Katastrophenjahr 1945 von den Alliierten erschossen wurde, wenige Monate nachdem die letzten norwegischen Verbände vernichtet wurden.
Die eindrucksvolle Präsentation und die Kurzvorstellung eines jeden norwegischen Gefallenen sowie die diese umgebende Fackel-Landschaft sorgten für ein einheitliches Ergebnis: Gänsehaut und Ehrerbietung.
Der Quisling-Partei über Jahre als Sympathisant nahe stehend war der Literaturnobelpreisträger und bis heute vielgelesene, aber teilweise verfemte Schriftsteller Knut Hamsun. Von Thomas Mann gehasst, sahen hingegen Hermann Hesse und der außergewöhnliche Joachim Fernau den Norweger als ihren Lieblingsschriftsteller an. Der russische Autor Maxim Gorki nannte Hamsuns Dichtung sogar die „Heilige Schrift des Menschen“.
Der 1859 als Knud Pedersen geborene anglophobe Hamsun hat eine Vielzahl von Erfolgsbüchern verfasst, wobei Hunger, Pan und Segen der Erde hervorstechen. Bereits in den 1880er Jahren geißelt er den „Despotismus der Freiheit“ des „selbstgerechten, unintelligenten“ Volkes der US-Amerikaner, und wird so, jedenfalls politisch, schnell zum Außenseiter in der pro-westlichen Kulturszene Norwegens seiner Zeit. Im 1. Weltkrieg steigerte sich Hamsuns Ablehnung gegenüber den USA, die in ihrer Intensität nur durch die Liebe zu Norwegen und Deutschland übertroffen wurde. Im 2. Weltkrieg veröffentlichte er dutzende Aufrufe an seine Landsleute, deren primärer Inhalt es war, die Verständigung mit den Deutschen voranzutreiben. Nach dem Krieg wurde er deswegen unter Hausarrest gestellt, eher er in die Psychiatrie eingewiesen wurde und erst 1947 die Entlassung erhielt. 1952 starb Hamsun mit mittlerweile 93 Jahren. Ein langes Leben ging zu Ende, das immer, auch und vor allem, die Verbundenheit zur Natur beinhaltete. Hamsun über Hamsun: „Ich bin von der Erde mit all meinen Wurzeln. In den Städten lebe ich nur ein künstliches Leben mit Cafés und Geistreichigkeiten und allerlei Hirngespinst. Aber ich bin von der Erde.“
Für Empathie und Begeisterung sorgten aber nicht nur die politischen Gespräche und Erlebnisse, sondern insbesondere die grandiose Schönheit der norwegischen Natur. Worte ersetzen nicht die Selbsterfahrung in der abwechslungsreichen Landschaft Norwegens, und deswegen sei jedem Leser ans Herz gelegt, selbst einen Blick auf die mannigfaltigen Facetten Norwegens zu werfen. Geprägt von Gegensätzen erscheint die Umgebung wie faszinierende Aquarelle. Ist man an einem Tag bei Sonnenschein und strahlend blauen Himmel an einem mediterran anmutenden Strand, wirken die Schneegipfel wuchtiger Felsriesen am Folgetag wie der Beginn einer anderen Welt. Dazwischen: Fjorde, deren Wasser traumhaft grün-blau schimmert und den Wanderer in Bann zieht, während der Anstieg auf einen Berg eigentlich Anstrengung verheißen sollte. Stattdessen Genuss, Begeisterung, Idylle. Und die Gewissheit, dass das Reiseziel Norwegen nicht in zwei Wochen „abgeschlossen“ werden kann. Zu zahlreich sind die Besonderheiten der Natur, zu viel musste aus Zeitgründen noch ausgelassen werden und wartet auf eine Erkundung.
Vom Geirangerfjord bis zum Telemarkkanal, von den drei Schwertern (Svert i Fjell) in Stavanger bis zu alten Wikingerdörfern, von der Hardangervidda bis zum Preikestolen, von den Lofoten im Norden bis nach Mandal im tiefsten Süden; Norwegen bietet alles und mehr, aber vor allem: atemberaubende Natur.
Quelle: JN Chemnitz (Dank an die Aktivisten!)
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